Der Heizölmarkt steckt im Klopapierdilemma

01.04.20 • 13:29 Uhr • HeizOel24 News • Oliver Klapschus

Die Ölpreise an den Börsen verbleiben auch zum Start in den April im Keller. Zugewinne von bis zu 10% bei Rohöl sind eher optischer Natur, da sie auf den monatsbedingten Kontraktwechsel zurückzuführen sind. Das für den Heizölpreis auschlaggebende Gasöl verliert weiter an Wert und auch die nationalen Heizölpreise geben mit bis zu 1,5 Cent bzw. Rappen weniger je Liter deutlich nach. Die Nachfrage auf dem Inlandsmarkt zieht im Zuge der sinkenden Preise neuerlich an.

Unter dem Eindruck eines erschreckend schnellen Voranschreitens der Corona-Infektionen in den USA und der ungelösten Frage der riesigen Überproduktion am Ölmarkt geben die Ölpreise tendenziell weiter nach. Die Gefahr und die Konsequenzen für die Weltwirtschaft durch die Corona-Pandemie werden trotz erster Erfolgsmeldungen aus China täglich größer. Mit aktuellen Preisen von 25 Dollar je Barrel Brent (Nordseeöl) und 20,50 Dollar je Barrel WTI (US-Öl) verbleiben die Preise im Keller. Gasöl (Börsenwert für Heizöl und Diesel) neutralisiert mit nur noch 280 Dollar je Tonne das Tief aus dem Jahr 2016 und fällt auf den Tiefsten Stand seit Anfang der 2000er.

Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind verbreitet mit deutlichen Abschlägen in den April gestartet und nehmen mit bis zu 1,5 Cent bzw. Rappen weniger je Liter die das bisherige Corona-Tief von Anfang März ins Visier. Mit anderen Worten lässt sich sagen: Die Krise erreicht nun auch preislich gesehen den nationalen Heizölmarkt. Die außergewöhnliche Situation, dass sich die Inlandspreise für Heizöl teils konträr zu den Weltmarktpreisen für Rohöl bewegt haben scheint nun überwunden. Die gute Nachricht für Verbraucher lautet außerdem, dass das Abwärtspotential der Heizölpreise nach wie vor groß ist. Bei anhaltend niedrigen Ölpreisnotierungen am Weltmarkt winkt ein echter Schnäppchensommer. Voraussetzung ist ein Ende des „Klopapierdilemmas“. Ähnlich wie in der Hygieneabteilung im Supermarkt erreichte den Heizölmarkt im März eine ungeahnte Kaufwelle, die sämtliche Erfahrungswerte über den Haufen warf. Normalerweise wird jedes Jahr eine ähnliche Menge Toilettenpapier bzw. Heizöl benötigt. Der Bedarf ist und bleibt konstant. Kommt es allerdings zu plötzlichen Spitzen mit einem Vielfachen der üblichen Nachfrage, so führt dies zwangsläufig zu einer kurzfristigen Überlastung von Handel und Logistik. Ein Produkt erscheint subjektiv knapp, obwohl es dies objektiv gar nicht ist. Verbraucher registrieren dies und reagieren mit zusätzlich verstärkten Käufen, sobald neues Klopapier in den Regalen auftaucht. Stellvertretend für das das Warenangebot im Supermarktregal steht beim Heizöl der Preis. Sobald dieser sinkt, werden aktuell neue Käufer aktiv und die eingehenden Aufträge treffen auf die bereits übervollen Auftragsbücher. Es entsteht eine künstliche Stressituaiton für den Markt, obwohl die Ware alles andere als knapp ist. Die Lösung ist ebenso einfach wie kompliziert. Viele Einzelne muss zusammen gegen ihr subjektives Empfinden handeln um den Knoten zum Platzen zu bringen. - ok

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