Ölstopp für Schwedt stützt Heizölpreise

23.04.26 • 11:20 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Angriffe auf Frachtschiffe, abgefangene Tanker und neue Risiken für die europäische Versorgung haben die Ölpreise zur Wochenmitte deutlich nach oben gezogen. Brent steigt wieder über 100 US-Dollar je Barrel, Gasoil legt kräftig zu. Dazu kommt der Lieferstopp kasachischen Rohöls, was auch die PCK Raffinerie in Schwedt betrifft. In Deutschland verteuert sich Heizöl am Donnerstag um zwei bis drei Cent je Liter. In Österreich und der Schweiz verhalten sich die Heizölpreise dagegen weniger schwankungsanfällig.

Noch zögerlich starteten die Ölbullen gestern in den Handel, fanden jedoch schnell Futter, um motiviert das Börsenparkett zu übernehmen. Meldungen über mehrere gezielten Eingriffe in den Öltransport haben die Rohöl-Notierungen zur Wochenmitte deutlich nach oben gezogen. Der Iran hat in der Straße von Hormus drei Frachtschiffe angegriffen. Eines davon, ein Containerschiff, wurde schwer beschädigt. Zwei weitere Schiffe wurden gestoppt, die Besatzungen festgesetzt und unter iranische Kontrolle gebracht.

Parallel dazu hatten die USA in asiatischen Gewässern mindestens drei Tanker mit iranischer Ladung abgefangen und umgeleitet. Darunter befanden sich auch große Supertanker mit mehreren Millionen Barrel Rohöl an Bord. Seit Beginn der US-Seeblockade wurden zahlreiche Schiffe gestoppt oder zur Umkehr gezwungen.

Damit werden genau die Maßnahmen weiterverfolgt, die der Iran und die USA gegenseitig kritisieren. Zwar hatte Washington zuvor die Waffenruhe verlängert und gehofft, dass Teheran mit auf den Zug springt. Dieser Wunsch blieb bisher jedoch unerfüllt. Stattdessen wird erneut gedroht und eine Frist gesetzt, um den Iran zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Der hält jedoch an seiner Position fest und sieht die bestehende Seeblockade als zentrales Hindernis.

Auch die Versorgungslage stützt die Preise. Das US-Energieministerium meldete mit den neuesten US-Bestandsdaten deutliche Rückgänge bei Destillaten und Benzin. Bereits zuvor hatte das American Petroleum Institute (API) Abbauten von 4,6 Millionen Barrel bei Destillaten und 5,2 Millionen Barrel bei Benzin gemeldet. Die Nachfrage bleibt damit hoch, während das Angebot weiter unter Druck steht.

Die Nordseesorte Brent sah die Nachrichtenlage als Anlass, wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel zu steigen. Die amerikanische Ölsorte WTI und Gasoil zogen ebenfalls nordwärts und schlossen klar über dem Vortag.

Für Europa verschärft sich die Situation zusätzlich. Russland stellt die Durchleitung kasachischen Rohöls über die Druschba-Pipeline ein. Diese Leitung ist eine zentrale Versorgungsachse für mehrere Länder in Mittel- und Osteuropa. Fällt dieser Strom weg, müssen größere Mengen kurzfristig über Seewege organisiert werden. Das erhöht den Wettbewerb um verfügbare Ladungen und treibt die Kosten entlang der gesamten Lieferkette.

Besonders konkret wird die Entwicklung in Deutschland. Hier trifft der Lieferstopp die PCK Raffinerie in Schwedt, die bislang regelmäßig kasachisches Öl über Druschba erhält. Rund 130.000 Tonnen Rohöl pro Monat stehen damit zur Disposition, etwa 20 Prozent der dort verarbeiteten Menge.

Die Raffinerie versorgt große Teile von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und den Nordosten mit Kraftstoffen, Heizöl und Kerosin. Auch der Flughafen BER wird von dort beliefert.

Ersatz soll über die Häfen Rostock und Danzig kommen. Beide Routen sind jedoch begrenzt. Die Pipeline von Rostock nach Schwedt reicht nicht aus, um die fehlenden Mengen vollständig zu ersetzen. Zusätzliche Lieferungen über Danzig können nur einen Teil auffangen.

Kurzfristig gilt die Versorgung als gesichert, weil bestehende Strukturen angepasst werden. Gleichzeitig steigen die Kosten durch längere Transportwege und aufwendigere Logistik.

Für die Heizölpreise geht es heute damit weiter nach oben. Zum globalen Faktor Iran-Krieg gesellt sich in Deutschland nun auch die Sorge vor der lokalen Versorgungslage. Vielerorts steigen die Preise um durchschnittlich drei Cent je Liter auf ein bundesweites Mittel von knapp 1,32 Euro je Liter.

Dagegen fallen die Bewegungen in Österreich und der Schweiz eher klein aus und Heizöl hält sich in etwa auf den Niveaus des Vortages.

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