Ölpreise: Risikoprämie bröckelt, aber Entspannung bleibt fragil

20.03.26 • 10:54 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Die Ölpreise haben am Donnerstag einen Teil ihrer jüngsten Aufschläge wieder abgegeben. Keine neuen Angriffe auf Energieanlagen, Beschwichtigungssignale aus Jerusalem und Washington – das reichte für eine erste Verschnaufpause. Ob daraus mehr wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Heizölpreise in Deutschland und der Schweiz nehmen die Pause dankend an und gehen am Vormittag zwei bis drei Cent bzw. Rappen je Liter zurück. In Österreich bleiben die Preise weiterhin nahe dem Vortageshoch.

Die Ölpreise hatten am Donnerstag zunächst weiter zugelegt. Die Nordseesorte Brent schnupperte eifrig Höhenluft und näherte sich zeitweise wieder der Marke von 120 US-Dollar. Dann drehte die Stimmung. Berichte über mögliche US-Sanktionserleichterungen für iranisches Öl und Signale aus Israel, vorerst auf weitere Angriffe zu verzichten, nahmen den Druck aus dem Markt. Beide Kontrakte schlossen den Tag im Minus.

Was die Lage vorerst beruhigt, ist das Ausbleiben neuer Angriffe auf Energieinfrastruktur seit der Eskalation am Mittwoch. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, der Iran könne mittlerweile kein Uran mehr anreichern und keine ballistischen Raketen mehr herstellen. Er fügte hinzu, der Krieg werde schneller enden, als die Leute denken. Zum israelischen Alleingang gegen South Pars sagte er, Trump habe Israel gebeten, künftig von solchen Angriffen abzusehen, und Israel sehe davon ab. Auch eine mögliche Entsendung von amerikanischen Bodentruppen war auf einmal vom Tisch. Die plötzliche Zurückhaltung aus den USA und Israel fassten Marktteilnehmer als Beruhigungssignal auf.

ICE Gasöl, der europäische Terminmarkt für Mitteldestillate und direkter Preistreiber für Heizöl, notierte am Freitagmorgen bei rund 1.301,75 US-Dollar je Tonne, gut 28 US-Dollar unter dem Schluss vom Vortag. Das Fass Brent kostet am Freitagmorgen 107,47 US-Dollar je Barrel, ein Barrel der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) liegt bei 94,70 US-Dollar. Am Vormittag drehen die Öl- und Gasölpreise allerdings wieder nach oben, die Volatilität bleibt hoch.

Auf diplomatischer Ebene gibt es Bewegung, wenn auch vorsichtige. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Japan veröffentlichten am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre grundsätzliche Bereitschaft bekundeten, zu einer künftigen Sicherung der Straße von Hormus beizutragen. Konkrete Maßnahmen oder Zeitpläne nannte die Erklärung nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz machte deutlich, dass Deutschland erst nach einem Ende der Kampfhandlungen aktiv werden wolle. Eine beschlossene Mission ist das noch nicht, eher ein politisches Signal in Richtung Washington. US-Finanzminister Scott Bessent befeuerte zudem Spekulationen über ein nahes Kriegsende, als er erklärte, das iranische Regime werde wahrscheinlich von innen heraus kollabieren.

So weit, so beruhigend. Doch der Schaden an der Energieinfrastruktur am Persischen Golf ist angerichtet. Selbst wenn eine sichere Durchfahrt für Tanker ausgehandelt werden kann, dürfte die Normalisierung der Lieferketten Monate dauern. QatarEnergy geht sogar davon aus, dass die Reparatur der schwer beschädigten LNG-Anlagen in Ras Laffan drei bis fünf Jahre dauern wird. Jeder neue Treffer auf Exportinfrastruktur oder Tankerrouten könnte die Preise sofort wieder hochtreiben. Die Kriegsprämie bröckelt, verschwunden ist sie nicht.

Heizöl kostet aktuell in Deutschland durchschnittlich knapp 1,43 Euro je Liter. Das sind rund 2,5 Cent weniger als am Vortag. Eine leichte Erholung, die gerne registriert wird. Aber noch weit weg von einem attraktiven Preisniveau. Das März-Mittel beläuft sich bis dato auf einen Preis von knapp 1,32 Euro je Liter. Das sind rund 39 Prozent mehr als noch im Februar. In Hinblick auf den heutigen Tagespreis ist durchaus Luft nach unten, was zeigt, wie schwankungsanfällig die Heizölpreise seit Kriegsbeginn auftreten.

In Österreich zeigen sich die Heizölpreise uneinheitlich, teils mit kräftigen Aufschlägen im Burgenland und Salzburg und kleineren Abschlägen in Niederösterreich und Tirol. Damit ergibt sich eine bundesweite Teuerung von durchschnittlich 0,6 Cent je Liter, was den Heizölpreis auf knapp 1,75 Euro je Liter hebt. In der Schweiz gibt der Preis für den flüssigen Brennstoff um drei Rappen nach. Das kantonweite Mittel beläuft sich am Vormittag auf 1,47 Franken pro Liter. Mit der Abwärtsbewegung hat Heizöl seine jüngste Märzspitze wieder verlassen.

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