Energiepreisschock 2022 - Preisvergleich wichtiger denn je!

08.03.22 • 09:27 Uhr • HeizOel24 News • Oliver Klapschus

Die Energiepreise erreichen im Zuge des Russland-Ukraine-Konflikts einen neuen Rekordstand. Nach Erdgas hat sich auch Heizöl stark verteuert. Die Benzin- und Dieselpreise an den Tankstellen ziehen nach. HeizOel24 beantwortet die zwölf wichtigsten Verbraucherfragen zur aktuellen Marktsituation.

1. Warum sind die Öl- und Gaspreise aktuell so hoch?

Mit dem Russland-Ukraine-Konflikt und den Sanktionen des Westens steigt die Furcht, vor ausbleibenden Lieferungen und schlägt auf die Endverbraucherpreise für Heizöl, Benzin und Diesel durch. Auch Erdgas hat sich im Großhandel nochmals stark verteuert. Aufgrund der längerfristigen Lieferverträge zwischen Gasversorger und Verbraucher tritt der Teuerungseffekt hier mit Verzögerung ein.

2. Wann wird Heizöl wieder billiger?

Fakt ist: Der Markt ist in einer historischen Ausnahmesituation. Durch die Verunsicherung gibt es in allen Handelsstufen Risikoaufschläge. Benzin, Diesel und insbesondere Heizöl haben sich sprunghaft verteuert. Schon immer gab es Marktzyklen mit hohen und niedrigen Ölpreisen. Es ist kaum zwei Jahre her, dass negative Ölpreise Schlagzeilen machten, weil durch den Corona-Lockdown Abnehmer fehlten und die Lager vollliefen. In den 1970er Jahren gab es zwei große Ölpreisschocks, in der Erwartung, Saudi-Arabien könne den Hahn zudrehen. Auch im aktuellen Fall werden die Ölpreise wieder sinken. Der Zeitpunkt, Geschwindigkeit und Größenordnung sind allerdings offen.

3. Woher kommt unser Öl?

Auch beim Öl steht Russland auf Platz 1 der Lieferanten. 2020 kam jeder dritte Liter Rohöl, der nach Deutschland importiert wurde, aus Russland. Hinzu kommen Diesel-Einfuhren mit einem ähnlichen Anteil am Gesamtimport. Das ist deutlich weniger als die 55 Prozent-Quote beim Erdgas aber noch immer sehr viel. Die Plätze 2 bis 4 der Lieferländer belegen Großbritannien, die USA, Norwegen und Libyen, als traditionell wichtigster Lieferant aus Nordafrika. Es folgen Kasachstan und Nigeria. Aus dem Nahen Osten bezieht Deutschland nur sehr wenig Öl.

4. Warum ist der Preis im Osten Deutschlands am höchsten?

Das hat sowohl einen historischen als auch geografischen Hintergrund. Im Wesentlichen lässt sich Deutschland in drei Versorgungsregionen unterteilen – Westen/Nordwesten, Osten und Süden. Insbesondere im Osten Deutschlands ist die Abhängigkeit zu Russland bei den Rohölimporten hoch. U.a. die Raffinerie in Schwedt an der Oder wird über Pipelines aus Osteuropa versorgt. Am selben Strang hängen auch Rostock und Leuna. In Westdeutschland ist die Abhängigkeit zu Russland weit weniger stark. Hier kommt das Öl, entlang des Rheins, aus dem ARA-Raum (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen). Neben dem Rohöl für die Raffinerien in Köln und Karlsruhe werden auch direkt große Mengen an Heizöl, Diesel und Benzin importiert. Ebenfalls unkritisch sind die Raffineriestandorte in Hamburg, Lingen und Heide zu sehen. Sie profitieren von den Seehäfen Norddeutschlands. Der Süden, mit dem Raffineriestandort Ingolstadt profitiert schließlich von der Transalpine-Pipeline, die Öl vom Mittelmeer liefert, das in Triest angelandet wird.

5. Warum hat sich Heizöl besonders stark verteuert?

Der Vergleich zeigt: Rohöl reagiert vergleichsweise am geringsten auf die Ukraine-Krise. Global gesehen gibt es keine Knappheit. Raffinerieprodukte zieht es aktuell am stärksten nach oben, da hier die kurzfristige Nachversorgung im Mittelpunkt steht. Heizöl hat sich seit Ausbruch der Kämpfe in der Ukraine am 24. Februar bis zum 8. März kontinuierlich verteuert. Das geringste Plus zeigt sich in der Schweiz mit 33 Prozent, gefolgt von Österreich mit ca. 50 Prozent. In Deutschland werden je nach Region 70 bis 100 Prozent mehr aufgerufen. Tendenziell am teuersten ist Heizöl im Osten Deutschlands. Hier gibt es die höchste Abhängigkeit zu Öllieferungen aus Russland. Benzin und Diesel reagieren aufgrund des hohen Steueranteils weniger stark.

6. Was treibt den Heizölpreis?

Die aktuelle Rallye bei den Heizölpreisen ist weniger von der Inlandsnachfrage getrieben als von der Unsicherheit der Produktverfügbarkeit. Entlang der Handelskette von den Raffinerien über den Großhandel bis hin zum regionalen Heizölhändler ist die aktuelle Energiekrise zunächst eine Vertrauens-Krise. Öl und Gas sind ausreichend vorhanden, doch das Vertrauen in die global vernetzten Lieferketten ist gestört. Viele Händler geben an, russisches Öl aktuell zu meiden. Zum Teil aus ethisch moralischen Gründen, zum Teil aus Vorsicht, ob bestellte und ggf. bezahlte Ware auch in Zukunft noch ankommt.

7. Wie gestaltet sich die Nachfrage nach Heizöl?

Aufgrund der ohnehin erhöhten Preissituation Anfang 2022 spekulierten Heizölkunden in großer Zahl auf fallende Preise zum Ende der Heizperiode. Sie wurden auf dem falschen Fuß erwischt und reagierten entsprechend rasch und konsequent. D.h. unmittelbar mit Ausbruch der Kampfhandlungen in der Ukraine stieg die Heizölnachfrage sprunghaft an. Gemessen an den Käufen auf HeizOel24 wurde die höchste Bestelltätigkeit direkt am 24.Februar 2022 registriert. Es wurde ca. fünf Mal so viel Heizöl geordert wie üblich. Seitdem ist die Heizölnachfrage weiterhin erhöht, wird aber zunehmend vom immer weiter steigenden Preis abgewürgt.

8. Wann ist mit der Preisspitze zu rechnen?

Börsen neigen zu Übertreibungen und hassen Unsicherheit. Heizölpreise über einem Euro je Liter gab es in Deutschland und Österreich zuvor noch nie. Die Inlandsnotierungen von bis zu 1,90 Euro je Liter in der ersten März-Woche sind nicht nur absoluter Rekord, sondern hoffentlich auch das Ende der Fahnenstange. Nachdem die Börsen die Kriegsgefahr lange unterschätzt hatten, wird aktuell sogar ein Embargo gegen russisches Öl und Gas eingepreist. Anders lässt sich der dynamische Anstieg kaum erklären. Aber Vorsicht: Verschärft sich die Lage, können die Öl- und Heizölpreise jederzeit zu einem neuen Preissprung ansetzen.

9. Sollten Kunden jetzt noch kaufen?

Mehr Tanks als üblich sind derzeit leer. Die Heizölpreise bewegen sich auf einem absoluten Rekordniveau. Zuletzt stiegen sie mit wachsender Dynamik täglich weiter. Wer bis zum Ende der Heizperiode zwingend nachtanken muss, sollte dies erledigen. Hier heißt es: „Augen zu und durch“, bestellen, was nötig ist und auf bessere Zeiten warten. Zumeist werden Kleinmengen von 1.000 Litern geordert, um Zeit zu gewinnen. Vorratskäufe für die nächste Heizperiode sind aktuell kaum zu beobachten und auch nur für ausgemachte Pessimisten anzuraten. Die nationalen Heizölpreise sind den Ölpreisen an den internationalen Börsen teilweise weit enteilt. Mit dem nahenden Frühjahr und Sommer dürften zunächst Risikoprämien aus dem Markt weichen und wieder mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Heizölanbietern einsetzten.

10. Was macht Hoffnung, dass der Ölpreis sinkt?

U.a. die Terminmarktkurve für Rohöl. Während ein Barrel Brent zu Lieferung im April 2022 aktuell ca. 120 Dollar kostet, sind es im April 2023 nur ca. 85 Dollar. International wird es für die OPEC-Nationen immer interessanter, ihre Förderung über das beschlossenen Maß hinaus zu erhöhen. Nennenswerte Reservekapazitäten hat besonders Saudi-Arabien. Ebenfalls mehr Öl auf den Weltmarkt brächte ein Durchbruch in den Atomverhandlungen mit dem Iran. Durch das zu erwartende iranische Zusatzangebot wären allerdings nur zwölf Prozent der russischen Förderung ersetzbar. Auch die Freigabe strategischer Ölreserven im Inland könnte kurzfristig helfen und vor allem ein psychologisches Signal setzen. Durch EBV, ELG und Carbura verfügen Deutschland, Österreich und die Schweiz, wie weitere Staaten auch, über Notreserven, die darauf ausgelegt sind, die Ölversorgung des Landes für 90 Tage (Schweiz 4,5 Monate) sicherzustellen.

11. Wie kann ich kurzfristig reagieren?

Kurzfristig bleibt für Heizölkunden mit leerem Tank nur der Biss in den sauren Apfel. Ein ausreichend gefüllter Tank, der bis in den Sommer hinein Versorgungssicherheit gewährleistet, schafft einen Zeitpuffer für Spekulationen. Kunden, die an das Gute glauben, können also abwarten. Bis dahin heißt es: Falls vorhanden, Kamin an! Gerade in der Übergangsjahreszeit liefert Scheitholz viel Potential für ein warmes Zuhause. Raumtemperatur prüfen und um ein bis zwei Grad absenken (z.B. im Keller, Flur oder wenig genutzten Nebenräumen).

12. Was hilft mittel- bis langfristig?

Mittel bis langfristig sollten sich Immobilienbesitzer mit einer eigenen Strategie zur Energieversorgung beschäftigen. Dies macht nicht nur unter Autarkiegesichtspunkten Sinn, sondern auch wirtschaftlich und ökologisch. Statt eines Wechsels von Öl auf Gas – dem Modernisierungs-Klassiker der letzten 20 Jahre – sollten fossilfreien Alternativen oder Hybridlösungen geprüft werden. Wer weiter auf die klassische Verbrennung setzen will, wird bei Holzpellets fündig, die aktuell der Energie-Preis-Krise trotzen. Besonders im Neubau Trend: Elektrische Wärmepumpen. ok

HeizOel24-Tipp: Beobachten und bestellen. HeizOel24 ist 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für Sie da. HeizOel24. 24.02.2022

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