Gasöl treibt Heizölpreise nach oben

20.10.26 • 11:02 Uhr • HeizOel24 News • Olivia Neven

Die Ölpreise ziehen wieder an und bleiben in der Nähe ihres höchsten Stands seit Ende Mai, nachdem die Huthi-Miliz neue Angriffe auf saudische Ölanlagen gemeldet hat. Die Heizölpreise in Deutschland steigen heute spürbar. In Österreich und der Schweiz legen sie nur leicht zu.

Der Montag begann an den Ölbörsen mit einem kurzen Rücksetzer. Kaum hatten die europäischen Handelsplätze geöffnet, ging es wieder aufwärts, und am frühen Abend erreichten Rohöl und Gasöl neue Tageshöchststände. Brent kletterte dabei zwischenzeitlich auf den höchsten Wert seit Ende Mai. Heute Morgen kostet ein Barrel der Nordseesorte 110,37 US-Dollar, knapp einen US-Dollar mehr als zum Handelsschluss am Montag. Die US-Sorte WTI steht bei 104,03 US-Dollar. Gasöl, die Börsengrundlage für Heizöl und Diesel, kostet 1.476,00 US-Dollar je Tonne und damit 27 US-Dollar mehr als zum gestrigen Schluss. Der Euro hält sich bei 1,12 US-Dollar.

Für Unruhe sorgen Meldungen aus dem Jemen. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz, die gegen eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition kämpft, will erneut eine Anlage des saudischen Ölkonzerns Aramco getroffen haben. Nach ihren Angaben traf es diesmal Yanbu, den Standort des größten saudischen Exportterminals an der Westküste. Auch das Ölfeld Shaybah und die Flughäfen von Riad und Abha seien angegriffen worden. Bestätigt ist davon bislang nichts, die saudischen Behörden äußerten sich nicht. Erst vergangene Woche hatte die Miliz die Aramco-Zentrale in Dhahran beschossen. Auf See reißen die Attacken ebenfalls nicht ab. Der Branchendienst Kpler zählte binnen zwei Wochen mindestens 18 angegriffene Schiffe.

Warum Heizöl stärker steigt als Rohöl, erklärt der Dieselmarkt. Gasöl ist an der Börse die gemeinsame Grundlage für Heizöl und Diesel, und Diesel ist weltweit knapp. Zwei Entwicklungen verschärfen das Bild. US-Energieminister Chris Wright sagte im Sender Fox News, die Ölausfuhren durch die Straße von Hormus hätten wieder rund 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht, die Verschiffung von Raffinerieprodukten sei aber weiterhin beeinträchtigt. In Russland musste die Raffinerie Rjasan nach einem Drohnenangriff ihre wichtigste Destillationsanlage abschalten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Das Werk stellt im Jahr rund 3,8 Millionen Tonnen Diesel her.

Am Preis lässt sich die Knappheit gut ablesen. In den Häfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen kostete Diesel am Freitag rund zwei Drittel mehr als Rohöl. Zum Handelsschluss am Montag lag Gasöl dann gut zweieinhalb Prozent über dem Freitag, Brent dagegen knapp darunter. Wer kurzfristig Ware braucht, zahlt obendrein einen Aufpreis. Gasöl zur Lieferung im November kostet gut drei Prozent mehr als Ware, die erst im Dezember kommt, und dieser Aufpreis ist zuletzt gewachsen. Für Heizölhändler, die jetzt ihre Lager auffüllen müssen, ist der Einkauf damit im Vergleich zu Rohöl besonders teuer. Die Internationale Energieagentur IEA will zwar mehr als 20 Millionen Barrel Diesel freigeben. Laut dem Informationsdienst S&P Global Energy rechnen Marktteilnehmer aber nicht damit, dass sich die Lage dadurch dauerhaft entspannt.

Entlastende Signale gibt es durchaus, sie verfangen derzeit nur kaum. Der Irak hat seine Ölausfuhren laut Ölminister Bassem Mohammed Khudair im Oktober bislang auf durchschnittlich mehr als 3,4 Millionen Barrel pro Tag gesteigert, nach 2,65 Millionen im September. Damit nähert sich das Land wieder den Mengen von vor dem Krieg. Die USA erlauben künftig den Verkauf sanktionierter Tanker, damit mehr Schiffe für Öltransporte bereitstehen. Der Iran bekräftigte am Montag formal seine Bereitschaft, die Straße von Hormus zu öffnen. Irans erster Vizepräsident Mohammad Reza Aref betonte allerdings, Teheran habe „keine andere Wahl“, als die Kontrolle über die Meerenge durchzusetzen. Neue Anhaltspunkte könnten heute am späten Abend die Schätzungen des US-Branchenverbands API zu den Ölvorräten liefern. Morgen folgt der offizielle Bericht des US-Energieministeriums.

Im Bundesschnitt kostet der Liter Heizöl heute 1,73 Euro, gut zweieinhalb Cent mehr als am Vortag. Teurer wird er in allen Bundesländern, je nach Region um knapp zwei bis gut vier Cent. Am kräftigsten steigt der Preis in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen mit jeweils rund vier Cent, in Schleswig-Holstein, Hamburg und Sachsen kommen rund dreieinhalb Cent hinzu. In Baden-Württemberg, Berlin und Rheinland-Pfalz fällt das Plus mit knapp zwei Cent am geringsten aus. Hamburg bleibt trotz des Sprungs mit 1,68 Euro das günstigste Bundesland, am teuersten ist Nordrhein-Westfalen mit 1,78 Euro. Vor einem Jahr kostete der Liter um diese Zeit rund 90 Cent, heute ist es fast das Doppelte. Im Westen und Süden dürfte die Belieferung über den Rhein mühsam bleiben. Am Pegel Kaub wurden heute früh 21 Zentimeter gemessen, und bis Samstag ist kaum Besserung in Sicht.

In Österreich kommt vom Anstieg kaum etwas an. Der Liter kostet dort 1,82 Euro, nur 0,3 Cent mehr als am Montag, und damit knapp neun Cent mehr als in Deutschland. In der Schweiz legt der Preis um knapp einen halben Rappen auf 1,75 Franken je Liter zu. Er liegt damit nur knapp unter dem bisherigen Jahreshöchststand, der im Oktober erreicht wurde.

HeizOel24-Tipp: Wenn die Preise wieder anziehen, zählt jeder Cent beim Literpreis. Wer sich mit Nachbarn zu einer Sammelbestellung zusammentut, bündelt die Liefermenge und kann so günstigere Konditionen erzielen. Organisieren lässt sich das ganz einfach bei HeizOel24.

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