Ölmarkt schaut auf New York

22.09.26 • 10:39 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Nach vier Tagen im Minus drehen die Ölpreise heute Morgen vorerst wieder nach oben. In New York beginnt die UN-Generalversammlung, und am Rande der Tagung rückt ein mögliches Treffen zwischen Washington und Teheran in Reichweite. Die Heizölpreise in Deutschland und Österreich geben trotzdem weiter nach, in der Schweiz ziehen sie dagegen an.

An den Ölbörsen ist die Talfahrt der vergangenen Tage erst einmal gestoppt. Am Montagabend war Brent, das Rohöl aus der Nordsee, zeitweise unter die Marke von 100 US-Dollar gerutscht. Heute Morgen kostet ein Barrel, also 159 Liter, wieder 101,88 US-Dollar, ein Plus von 1,82 Prozent. Das US-Öl WTI legt ähnlich deutlich zu und liegt bei 97,22 US-Dollar. Gasöl, der an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Vorläufer von Heizöl und Diesel, bewegt sich auf Vortagesniveau um 1.438,25 US-Dollar pro Tonne.

Ein Teil der Erholung erklärt sich aus dem Markt selbst. Marktteilnehmer, die zuletzt auf weiter fallende Kurse gesetzt hatte, stiegen nach vier Verlusttagen aus diesen Wetten aus. Dazu kommt, dass am libyschen Ölfeld Sharara eine bewaffnete Gruppe nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft NOC ein Ventil an der Exportpipeline geschlossen hat. Wie stark die Förderung dadurch sinkt, ließ die NOC offen. Zwei Ingenieure sprachen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einem Rückgang um rund 200.000 Barrel pro Tag. Sharara gehört mit einer Kapazität von etwa 300.000 Barrel täglich zu den größten Feldern des Landes.

Aus dem Persischen Golf kommen gegenläufige Signale. Tankerdaten zufolge wurden am Sonntag sieben Supertanker mit insgesamt rund 14 Millionen Barrel saudischem Rohöl beladen, so viel wie seit sechs Monaten nicht. Sicher ist die Route deshalb nicht. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete am Montagnachmittag unter Berufung auf Militärquellen, dass ein in den Persischen Golf einfahrender Tanker von einem Geschoss getroffen wurde. Der irakische Regierungschef Ali al-Zaidi wirft dem Iran vor, irakische Tanker gar nicht erst durchzulassen. Sein Land habe seit Kriegsbeginn rund 60 Milliarden US-Dollar an Einnahmen verloren.

Die Hoffnung des Marktes liegt jetzt in New York. Trump könnte dort auf den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian treffen, der bereits auf dem Weg dorthin ist. Vom 23. bis 25. September folgt der Staatsbesuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte nach einem Gespräch mit Trump an, gemeinsam die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus und die Energieanlagen der Region zu schützen. Die USA bieten laut einem Bericht des Wall Street Journal fünf Milliarden US-Dollar für einen Fonds zum Wiederaufbau beschädigter Ölanlagen an, acht Partnerstaaten sollen die gleiche Summe beisteuern. Ob daraus mehr wird als eine Absichtserklärung, ist offen. Die Forderungen der USA und des Iran liegen weiterhin weit auseinander.

Für Heizölkunden in Deutschland zählt heute noch die Abwärtsbewegung der vergangenen Handelstage. Im Bundesschnitt kostet der Liter 1,69 Euro. Fast alle Bundesländer melden ein Minus, die Spanne reicht dabei von knapp 0,3 Cent in Bayern bis zu knapp 1,90 Cent in Hamburg und Schleswig-Holstein. Eine Lieferung von 3.000 Litern liegt damit im Schnitt bei rund 5.070 Euro. Am günstigsten tanken derzeit Haushalte in Nordrhein-Westfalen und Hamburg, am teuersten wird es in Baden-Württemberg und im Saarland. Dort kostet Heizöl im Schnitt rund 1,73 Euro je Liter.

Morgen beginnt dann auch kalendarisch der Herbst in diesem Jahr, und damit rückt die Heizsaison endgültig näher. Viele Haushalte haben ihre Tanks über den Sommer nicht aufgefüllt und warten seit Monaten auf günstigere Preise. Sinken die Temperaturen weiter, bestellen erfahrungsgemäß viele Verbraucher gleichzeitig, und die Lieferzeiten werden länger. Wer früher dran ist, umgeht die längeren Fristen, die eine solche Bestellwelle meist mit sich bringt.

In Österreich geht es ebenfalls leicht abwärts. Der Tagesschnitt liegt bei 1,90 Euro pro Liter, gestern waren es knapp 1,91 Euro. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen ist das kaum eine Entlastung. In der Schweiz zeigt der Trend nach oben, dort kostet der Liter heute 1,62 Franken nach 1,59 Franken am Vortag.

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