Heizöl: Täglich grüßt das Jahreshoch

15.09.26 • 11:39 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Die Ölpreise legen am Dienstagmorgen wieder zu, nachdem sie am Montagnachmittag einen Teil ihrer Gewinne abgegeben hatten. Die Reparatur der angegriffenen saudischen Exportpipeline dürfte Wochen dauern, und eine von Trump verkündete Schonung der Energieanlagen zwischen Russland und der Ukraine hat die erste Nacht nicht überstanden. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz drehen nach einer kurzen Verschnaufpause am Vormittag wieder nach oben.

Die Nordseesorte Brent notiert am Vormittag bei 108,18 US-Dollar pro Barrel und liegt damit knapp zwei Prozent über dem Montagsschluss. Die amerikanische Ölsorte WTI zieht etwas kräftiger an und kostet 103,85 US-Dollar. Gasöl, das an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Mitteldestillat und die Referenz für den europäischen Heizölmarkt, springt um fast zweieinhalb Prozent auf 1.516,75 US-Dollar pro Tonne.

Am Montagnachmittag hatte Trump erklärt, Russland und die Ukraine wollten die Energieanlagen des jeweils anderen künftig verschonen. Weil ukrainische Drohnen seit Monaten russische Raffinerien treffen und damit das Angebot an Diesel und Heizöl verknappen, las der Markt das als Entwarnung für die Produkte, und Gasöl schloss den Tag leicht im Minus. In der Nacht griff die Ukraine dann eine Industrieanlage in der Region Samara an, nach ukrainischen Angaben eine Ölraffinerie. Die Entwarnung war damit hinfällig, und das Mitteldestillat holte den Abschlag mit Aufschlag zurück.

Ein weiterer Preistreiber liegt weiter in Saudi-Arabien. Die nach einem Angriff abgeschaltete Ost-West-Pipeline, seit der Blockade der Straße von Hormus der wichtigste Umweg für saudisches Rohöl zum Roten Meer, steht still. Wie lange, darüber gehen die Aussagen weit auseinander. Die Nachrichtenagentur AP zitiert saudische Insider mit drei bis fünf Wochen, US-Energieminister Chris Wright stellte eine rasche Wiederaufnahme in Aussicht, und der Staatskonzern Aramco nennt bislang gar keinen Zeitplan. Solange die Pipeline nicht wieder in Betrieb genommen werden kann, sollten die Ölpreise auf erhöhtem Niveau bleiben.

Auch sonst bleibt die Lage festgefahren. Mohsen Rezaei, Sekretär des iranischen Sicherheitsrates, erklärte, es werde keine Gespräche geben, bis Irans Bedingungen erfüllt seien, und riet, sich von den widersprüchlichen Signalen des US-Präsidenten nicht ablenken zu lassen. Washington erhöhte indes den Druck und sanktionierte die russische VTB Bank, eines der größten Kreditinstitute des Landes, wegen Hilfe bei der Umgehung der Iran-Sanktionen.

Am Mittwochabend entscheidet die US-Notenbank Fed über die Zinsen, erwartet wird eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt, was Öl tendenziell etwas bremsen würde. Dazu gesellen sich die US-Lagerbestandsdaten des American Petroleum Institute (API) und des Department of Energy (DOE), die weitere Impulse liefern könnten.

In Deutschland kostet der Liter Heizöl aktuell im Bundesschnitt 1,68 Euro, in Österreich 1,87 Euro und in der Schweiz 1,62 Franken. In allen drei Ländern liegen die Preise damit auf oder knapp unter dem höchsten Stand des Jahres.

Mit dem Herbst wird Heizen für viele Haushalte wieder zum Thema. Wer im Frühjahr und Sommer auf günstigere Einstiegspunkte gewartet hat und noch nicht nachgetankt hat, kann die Bestellung nicht mehr beliebig lange aufschieben. Die Heizsaison beginnt bald und die inzwischen geringen Tankreserven müssen aufgefüllt werden. Entsprechend ist die Nachfrage deutlich gestiegen. Neben dem tatsächlichen Bedarf spielt auch die Sorge eine Rolle, dass Heizöl in den kommenden Tagen noch teurer werden könnte.

Die durchschnittlich bestellte Litermenge ist leicht zurückgegangen. Der komplette Jahresverbrauch landet seltener auf einmal im Tank. VieleVerbraucher bestellen zunächst so viel, dass sie gut durch die kalte Jahreszeit kommen, und behalten sich vor, den Rest später zu einem günstigeren Preis nachzulegen. Mit dem hohen Bestellaufkommen verlängern sich meist auch die Lieferzeiten. Im Durchschnitt liegen sie derzeit bei drei bis vier Wochen, was bei der Wahl des Bestellzeitpunkts berücksichtigt werden sollte.

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