Heizölpreise trotzen fallendem Ölpreis

06.07.26 • 12:38 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Nach dem verlängerten Feiertagswochenende in den USA kehrt an den Ölbörsen nur langsam Bewegung ein. Eine erneute Quotenanhebung der OPEC+ für August hat der Markt achselzuckend zur Kenntnis genommen und die Rohölpreise treten auf der Stelle. Gleichzeitig bleiben die Gasölnotierungen weiter fest, was sich direkt auf die Heizölpreise durchschlägt. Diese liegen am Mittag im Durchschnitt ein bis zwei Cent je Liter höher als am Freitag.

Die Rohölsorte Brent, die europäische Leitsorte, notiert am Montagmittag bei 71,74 US-Dollar pro Barrel und damit knapp unter dem Schlusskurs von Freitag. Das US-Referenzöl WTI gibt etwas stärker nach und steht aktuell bei 68,37 US-Dollar. Damit bewegen sich beide Sorten auf einem Niveau wie zuletzt vor Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar. Die kriegsbedingten Aufschläge, die Brent zwischenzeitlich über 120 US-Dollar getrieben hatten, sind praktisch vollständig abgebaut. Anders der Gasölkontrakt an der Londoner Warenterminbörse ICE, der auf erhöhtem Niveau bleibt.

Am Wochenende hat das erweiterte Ölkartell OPEC+ erwartungsgemäß beschlossen, die Förderquoten ab August um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Es ist die fünfte Erhöhung in Folge und Teil der schrittweisen Rücknahme freiwilliger Kürzungen aus dem Jahr 2023. Am Preis hat sich dadurch nichts verändert, und dafür gibt es einen einfachen Grund. Die Förderländer am Persischen Golf können ihre bestehenden Quoten schlicht noch nicht ausschöpfen. Die Exporte aus der Region lagen im Juni bei schätzungsweise 9,6 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht nur etwa der Hälfte dessen, was vor den US-Angriffen auf den Iran durch die Straße von Hormus floss. Bis die Infrastruktur wieder vollständig hochgefahren ist, bleiben Quotenerhöhungen doch eher theoretisch.

Am Finanzmarkt hat sich die Stimmung ohnehin gedreht. Mehrere große Investmentbanken rechnen damit, dass Brent bis Jahresende in den Bereich von 60 bis 65 US-Dollar fallen könnte. Die Kriegsaufschläge schmelzen ab, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus nimmt langsam wieder Fahrt auf, die chinesische Nachfrage bleibt verhalten. Bei Brent kosten spätere Lieferungen inzwischen mehr als kurzfristige, ein Zeichen dafür, dass Händler mittelfristig mit mehr Angebot rechnen, als der Markt aufnehmen kann. Ob sich das bewahrheitet, hängt wesentlich davon ab, ob der vorläufige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hält und in ein dauerhaftes Abkommen übergeht. Neue Zahlen liefern die Monatsberichte von EIA, OPEC und Internationaler Energieagentur IEA, die ab Dienstag erscheinen.

Beim Heizöl kommt von der Entspannung am Rohölmarkt wieder weniger an. Die Erklärung liegt weiter in der Lieferkette, nämlich bei den Raffinerien. Europas Versorgung mit Gasöl, aus dem Heizöl und Diesel hergestellt werden, hängt an Verarbeitungskapazitäten, die seit Monaten unter Druck stehen. Am Persischen Golf laufen die Anlagen noch längst nicht auf Vorkriegsniveau und in Russland haben ukrainische Drohnenangriffe einen erheblichen Teil der Raffinerieinfrastruktur lahmgelegt. Gasöl hat sich seit Ende Juni von rund 860 auf knapp 960 US-Dollar pro Tonne verteuert. Solange diese Lücke zwischen Rohstoff und Fertigprodukt offen bleibt, zahlen Heizölkunden einen Aufschlag, den der reine Ölpreis längst nicht mehr rechtfertigt.

In Deutschland liegt der Durchschnittspreis heute bei etwa 1,16 Euro pro Liter bei einer Abnahme von 3.000 Litern, rund zwei Cent über Freitag. Der Rückgang seit dem Krisenhoch im April, als Heizöl zeitweise über 1,50 Euro je Liter kostete, ist klar erkennbar. Dennoch hat sich die Richtung leicht nach oben gedreht, gestützt vom Gasölmarkt. Die Bestellaktivität bleibt niedrig, die Aufmerksamkeit unter Verbrauchern aber weiterhin hoch.

In Österreich liegt der Tagesschnitt bei 1,30 Euro pro Liter, nur knapp über dem bisherigen Julidurchschnitt von 1,29 Euro. In der Schweiz steht der Monatsdurchschnitt für Juli bei 1,14 Franken pro Liter und genau so viel kostet der Liter heute auch

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