Die große Ölpreisprognose 2019 (Teil 1 - Weltmarkt)

Wie entwickeln sich die Öl- und Heizölpreise 2019? Zu Beginn des Jahres ist es gute Gewohnheit, den Blick auf das große Ganze zu richten und direkt weiter in die Zukunft zu schauen. Auch wirtschaftlich mach dies Sinn, denn Börsianer aber auch Heizölkunden können mit der richtigen Taktik eine Menge Geld verdienen bzw. sparen. Wir beleuchten zunächst das Börsengeschehen am globalen Ölmarkt um dann auf den heimischen Heizölmarkt zu schauen.

Rückblick auf 2018 und Ausgangslage:

Die Ölpreisentwicklung 2018 war von einigen markanten Kurswechseln geprägt und wollte sich nicht recht an die Prognosen eines relativ ruhigen Börsenjahres halten. Statt seitwärts bis abwärts ging es im ersten Dreivierteljahr, unterbrochen von zwei markanten Rückschlägen im Februar und Hochsommer, zunächst aufwärts, ehe die Notierungen im vierten Quartal förmlich einbrachen. Zuvor wurde der Ölpreis durch neue Iran-Sanktionen von US-Präsident Trump im Zusammenspiel mit einem leichten Nachfrageüberhang nach oben getrieben. Das künstlich verknappte Angebot an OPEC-Öl wurde durch außerplanmäßige Förderausfälle weiter ausgedünnt und die US-amerikanische Schieferölindustrie konnte Produktion und Logistikkapazitäten weniger rasch erhöhen als zunächst gedacht. Der Anstieg gipfelte Anfang Oktober in einem Vier-Jahres-Hoch bei rund 85 Dollar je Barrel Nordseeöl (Brent). Hier kehrten sich die Vorzeichen um. Zum steigenden Warenangebot gesellten sich Konjunktursorgen und ließen den Ölpreis auf 50 Dollar je Barrel Brent abstürzen.

Wie geht es an den Börsen weiter, was erwarten die Profis?

Über den Jahreswechsel konnten sich Ölnotierungen festigen, sodass nun Preise im Bereich von 55 bis 57 Dollar je Barrel Brent die Ausgangsbasis bilden. US-Öl (WTI) kostet knapp 10 Dollar weniger, was weiterhin auf ein regionales Überangebot in Nordamerika schließen lässt. Steigenden Transport- und Exportkapazitäten dürften den Preisunterschied im Jahresverlauf schrumpfen lassen. In Reihen der Ölinstitute und Analystenhäuser rechnet man für 2019 mit einer ähnlichen Ölpreisentwicklung, wie sie bereits für 2018 prognostiziert wurde. Zünglein an der Waage soll neuerlich die Schieferölindustrie in Nordamerika sein. Der Effekt der steigenden Fördermengen sollen mit Verspätung greifen, da nun zunehmend auch die Infrastruktur drumherum in der Lage ist, das Angebot aufzunehmen. Gegenpol bleibt die OPEC, die mit Unterstützung Russlands und weiterer Nicht-OPEC-Staaten inzwischen unter der Bezeichnung OPEC+ agiert und das Angebot knapp halten will, um die Preise zu stützen. Die letzte Runde im Preispoker wurde erst Anfang Dezember beschlossen, zeigt aber bereits Wirkung. Der steile Ölpreisverfall ist zumindest vorerst gestoppt.

Mit Blick auf die Monatsreports der US-Energiebehörde EIA, der Internationalen Energieagentur IEA und der OPEC rechnen diese Stand Dezember 2018 weiterhin mit einem soliden Wachstum der weltweiten Ölnachfrage, schätzen das Angebotswachstum aber größer ein, sodass die Preisprognosen moderat bleiben. Die EIA beispielsweise hat ihre Preisprognosen zuletzt und rund zehn Dollar zurückgenommen und rechnet für 2019 nun mit Rohölpreisen von 60 Dollar im ersten Halbjahr und durchschnittlich 62,64 Dollar je Barrel Brent zum Ende des Jahres. Dies lässt zugleich auf die Erwartung schließen, dass die Ölpreise 2019 deutlich weniger schwanken als 2018. Verbraucher sollten auf die Entwicklung der EIA-Preisprognosen achten. Die jeweils zur Monatsmitte erscheinen und in den HeizOel24-Tageskommenatren thematisiert werden.

Auch unter den Großbanken und Analystenhäusern herrscht aktuell vergleichsweise wenig Kursphantasie. Die Bank of America Merril Lynch und Goldmann Sachs sehen im Jahresverlauf 2019 Ölpreise von bis zu 70 Dollar je Barrel. JP Morgan und UBS erwarten immerhin, dass wir im aktuellen Jahr die alten Höchstwerten von bis zu 85 Dollar aus dem Herbst 2018 wiedersehen. Äußerst pessimistisch zeigt sich dagegen die japanische Normura-Bank, die bei finanzen.net mit einem Szenario zitiert wird, wonach die Ölpreise 2019 auf bis zu 20 Dollar je Barrel einbrechen könnten.

Faktor Konjunktur, Politik und Börse:

Die große Unbekannte im Spiel wird 2019 die globale Konjunktur sein. Bereits seit Ende letzten Jahres mehren sich Stimmen und Signale, dass nach acht Jahren des Aufschwungs eine mehr oder minder schwere Rezession droht. Abzulesen war dies auch an den Aktienkursen, die im vierten Quartal 2018 mehrmals abrupt einbrachen, sich vorerst jedoch stabilisieren konnten. Neu aufkommende Stabilitätsprobleme in der EU, der Handelsstreit zwischen den USA und China und schlicht der in die Jahre gekommene Konjunkturzyklus könnten den Ölpreis ins Straucheln bringen. Sicherlich muss dies nicht viel heißen, doch auch im Vorfeld der Bankenkrise 2008 kam es zu einem ähnlich steilen Ölpreisverfall, wie er im Herbst 2018 zu beobachten war. Speziell in Europa droht im Spannungsfeld von Migrationspolitik, Brexit, den „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich, dem „Dieselskandal“ in Deutschland und dem schwelenden Streit um das italienische Haushaltsdefizit ein schwieriges Jahr. Kommt die Krise, ist die große Frage, welche Gegenmaßnahmen Politik und Zentralbanken in der Hinterhand haben, denn immens viel Pulver wurde in den letzten Jahren bereits verschossen. Die Zinsen beispielsweise befinden sich nach wie vor am Nullpunkt.

Verbraucher sollten zunächst davon ausgehen, dass alles gut geht und sich die Börsen wieder fangen. Dow, DAX und Co. haben bereits im Jahr 2018 stark nach unten korrigiert und zumeist wird damit gerechnet, dass sich die Kurse nach einem volatilen ersten Halbjahr wieder fangen. Entsprechend kann man sich an den eingangs bezifferten Ölpreisprognosen von 60 bis 70 Dollar je Barrel orientieren. Falls die Kurse auf 85 Dollar steigen, ist dies – wie der Vergleich zum Oktober 2018 zeigt – eher als kurzfristiger Effekt zu erwarten, der bei der Heizölbevorratung ausgespart werden sollte. Kunden sollten die Ölpreisentwicklung besonders im ersten Quartal beobachten. Behält Normura recht und kommt die 20 Dollar-Variante ins Spiel, sollten sich zeitig im Jahr Anzeichen für eine globale Konjunkturkrise zeigen. Dann gilt es an der Börse, die Schäfchen rechtzeitig ins trockene zu bringen und sich beim Heizöl auf dem Höhepunkt des Kurssturzes zu bevorraten.

Faktor Ölförderung und -exploration:

Durch eine Technologiesprung bei der Förderung und massive Investitionen in die Infrastruktur (Pipelines, Exporthäfen etc.) sind die nordamerikanischen Schieferölvorkommen auch 2019 der entscheidende Faktor die Ölpreise niedrig zu halten. Das Angebot dürfte im Jahresverlauf weiter steigen und die OPEC anhaltend unter Druck setzen. Abzulesen ist dies u.a. an der Trendwende bei den US-amerikanischen Lagerbestandsdaten. Seit September 2018 steigen diese deutlich an und befinden sich zwischenzeitlich wieder oberhalb des 5-Jahres-Durchschnitts.

Die weltweiten Förderkapazitäten steigen nach wie vor schneller als der Öldurst, der ebenfalls von Jahr zu Jahr neue Höhen erklimmt. Allen umweltpolitischen Bemühungen zum Trotz, ist besonders der Aufschwung in Fernost und der in den Schwellenländern nach wie vor mit Öl befeuert. In China beispielsweise hat sich der jährliche Ölbedarf zwischen 2010 und 2016 um über 120 Mio. Tonnen erhöht. Zum Vergleich: Der jährliche deutsche Gesamtverbrauch liegt bei ca. 110 Mio. Tonnen.

Faktor Währung - Euro und Franken:

Öl wird in Dollar gehandelt. Die Wechselkurse von Euro und Franken haben daher einen großen Einfluss auf die Heizöl-, Benzin- und Dieselpreise im Inland. Hinsichtlich der Währungseffekte ist es seit Mitte 2018 erstaunlich ruhig geworden. Nach einem Kursrutsch im Frühjahr, der maßgeblich von Zinserhöhungen in den USA eingeleitet wurde, befinden sich die Wechselkurse aktuell in einem ausgeprägten Seitwärtstrend, der bis auf Weiteres Bestand haben dürfte. Ungemach droht dem Euro in Form des Brexits im März und der italienischen Haushaltsplanung. Heizölkunden sollten ihren Fokus auf die Ölpreisentwicklung legen, wenn sie antizipieren wollen, was Heizöl 2019 kostet. Auf Währungseffekte zu setzen, ist schwierig und erscheint zugleich wenig erfolgversprechend.

Zwischenfazit:

Der Ölpreis ist Ende 2018 eingebrochen und auf niedrigem Niveau ins Jahr gestartet. Aktuell läuft eine Gegenbewegung in Richtung 60 Dollar je Barrel Brent. Heizölverbraucher sollten engmaschig beobachten, wie weit diese trägt. Den Prognosen der meisten Analysten zufolge, steht ein relativ ruhiges Jahr mit moderaten Ölpreisen und weniger starken Kursschwankungen bevor als 2018. Rutscht die Weltwirtschaft in eine handfeste Rezession, winken am Ölmarkt Schnäppchenpreise durch einen erneuten Einbruch der Kurse. Andernfalls lautet die Preisprognose für die Öl und Heizölpreise: Seitwärts bis leicht steigend.

HeizOel24-Tipp: Bleiben Sie dran! Morgen lesen Sie an dieser Stelle, welche inländischen Preisfaktoren die Heizölpreise im Jahr 2019 bewegen werden und wie die entsprechenden Trends und Prognosen aussehen. HeizOel24 08.01.2019

Börsendaten:
  Dienstag 08.01.2019 - 12:43 Uhr Schluss Vortag 07.01.2019 Veränderung zum Vortag
Rohöl
Brent Crude
58,29 $
pro Barrel
57,57 $
pro Barrel
+1,25%
Gasöl 545,50 $
pro Tonne
539,25 $
pro Tonne
+1,16%
Euro/Dollar 1,1458 $ 1,1475 $ -0,15%
(konstant)
USD/CHF 0,9799 CHF 0,9797 CHF +0,02%
(konstant)
Heizölpreis Ø 100 Liter Heute 08.01.2019 - 12:43 Uhr Gestern   Veränderung zum Vortag
Deutschland 63,35 € 63,32 € +0,04%
Österreich 71,61 € 70,95 € +0,93%
Schweiz 85,94 CHF 85,94 CHF 0,00%
4-Wochen-Prognose
Rohöl Heizöl
steigend steigend
alle Angaben ohne Gewähr

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