Die große Ölpreisprognose 2016 (Teil 1 - Weltmarkt)

Wie entwickeln sich die Öl- und Heizölpreise 2016? Nachdem einige bereits sehr spektakuläre und womöglich richtungsweisende Handelstage absolviert sind, wagen wir den Ausblick aufs gesamte Jahr!

2016 ist ein Jahr mit umgekehrten Vorzeichen! Wo es in Analystenkreisen sonst stets darum ging, welche Höhen die Ölpreise erklimmen werden, überschlagen sich die aktuellen Schätzungen in Bezug auf neue Negativrekorde. Sogar eine Ölpreisprognose von null Euro machte kürzlich die Runde. Ein eher theoretisches Rechenbeispiel, für den Fall, dass trotz erschöpfter Lagerkapazitäten uneingeschränkt weiter gefördert wird. Oder doch nicht? Immerhin haben die Banken längst negative Sparzinsen erfunden und wenn es gleichzeitig zu windig und zu sonnig ist, gibt es auch negative Strompreise, weil die regenerativen Erzeuger mehr Strom einspeisen, als verbraucht wird. Und tatsächlich: Auch beim Öl scheint es zu klappen. Just gestern gab es die Meldung, dass eine Raffinerie in North Dakota frisches Rohöl nur noch gegen eine Gebühr von 0,5 Dollar je Barrel annimmt.

Der Unterschied zu Strom und Gas: Beim Öl und insbesondere beim Heizöl kommen Verbraucher in den vollen Genuss der Vorzüge der Marktwirtschaft, denn der Börsenpreis wird schnell und ohne Umwege an den Kunden weitergegeben. Strom wird permanent teurer. Gas nur zögerlich billiger.

Wie geht es an den Börsen weiter, was erwarten die Profis? Betrachtet man die Ölpreisprognosen der einschlägigen Analystenhäuser, so reicht die Spanne für den Jahresdurchschnittspreis 2016 aktuell von 30 (Petronas) bis 51,50 Dollar (JP Morgan). Von den aktuellen 29 Dollar je Barrel gibt es also durchaus Aufwärtspotential. Temporäre Rückschläge könnten entsprechend des seit Jahresbeginn vorherrschenden Tempos aber auch schnell zur Ziel-Marke von 20 Dollar führen. Dieser Minimalwert wurde Ende letzten Jahres von Goldman Sachs ins Spiel gebracht.

Entsprechend der Ausgangssituation sind die Rahmenbedingungen für billiges Heizöl 2016 so günstig wie seit Anfang des Jahrtausends nicht mehr. Ganz ähnlich wie im Vorjahr brachte der Januar den vorläufigen Höhepunkt eines ungeahnten Ölpreiscrashs, der im Sommer begann. Die Zahlen sind beeindruckend! Im Juni 2014 kostete ein Barrel Rohöl (Brent Crude Nordseeöl) 110 Dollar. Im Juni 2015 waren es 65 Dollar. Am 18. Januar 2016 waren es 28 Dollar. Besonders im ersten Quartal dürfte es daher weiterhin Schnäppchenpotential geben. In Deutschland gibt es derzeit flächendeckend Heizölpreise unter 40 Cent je Liter! Soviel als Vorgeschmack auf Morgen. Zunächst gilt es noch die Preisfaktoren des Weltmarkts in Einzelnen betrachten.

Faktor Konjunktur und Börse: Die Aktienbörsen zeigen sich seit Jahresbeginn angeschlagen. Börsenturbulenzen in China haben die Sorge geschürt, dass nach sieben Jahren notenbankbefeuerter Hausse eine große Korrektur droht. Die psychologisch wichtige 10.000er-Marke im DAX ist zunächst verloren. Besonders kritisch ist es weiterhin um die großen Ölexporteure wie Russland, Venezuela und auch die Golf-Staaten des Nahen Ostens bestellt. Bei anhaltend niedrigen Ölpreise fallen diese auch als Nachfrager für Industriegüter weg. Russland leidet zusätzlich unter den Sanktionen aus dem Ukrainekonflikt. Im krassen Gegensatz dazu steht der Iran, der nach über einem Jahrzehnt des Atomkonflikts wieder freien Zugang zum Weltmarkt hat. Nicht nur als bedeutender Ölexporteur, sondern auch als finanzstarker Nachfrager mit ordentlich Nachholbedarf wird der Iran sich nach dem Ende des Handelsembargos bemerkbar machen. Die ersten 114 Airbus sind bestellt. Zünglein an der Waage für Wohl und Wehe der Weltkonjunktur wird China sein. Ein weiterer Abschwung in Fernost könnte eine fatale Signalwirkung für die Weltwirtschaft haben. Die Crashpropheten stehen in den Startlöchern.

Faktor Ölförderung und -exploration: Nach Jahren der fetten Gewinne und hohen Investitionen in neue Ölfelder und Bohrtechnologien hat ein neuer Zyklus begonnen. Der Frackingboom (Gewinnung von Öl aus Schiefergestein mittels Hochdruck) hat den Ölmarkt verändert. Es ist kurzfristig mehr Öl verfügbar, als benötigt wird. Statt um die Schaffung eines ausreichenden Ölangebots geht es derzeit um die Verteidigung von Marktanteilen. Ergebnis: Trotz Preisverfalls wird unvermindert weitergefördert. Besonders die Länder, die über gut erschlossene „Billigquellen“ verfügen (insb. OPEC-Staaten und Russland) wollen die Hochtechnologie-Anbieter (u.a. USA und Kanada) aus dem Markt drängen. Markteinschätzung zufolge liegt die Rentabilitätsgrenze einer Ölquelle je nach den örtlichen Förderbedingungen zwischen 10 und 60 Dollar je Barrel. Entsprechend der stark verbesserten Angebotssituation ist davon auszugehen, dass Öl nun bis zu 10 oder sogar 15 Jahre billig bleibt. Auch die historische Ölpreisentwicklung belegt diese These. Nach den beiden Ölpreisschocks in den 1970ern mit extrem hohen Preisen war Öl bis weit in die 1990er extrem günstig. Preisschocks taugen stets dazu die angestammten Versorgungswege kritisch zu hinterfragen und neue Quellen zu erschließen.

Faktor Politik und Wirtschaft: Auf der medialen Bühne hat die Flüchtlingskrise, die Wirtschaftskrise abgelöst. In den Nachrichten ist kein Platz mehr für Griechenlandrettung und Konjunktursorgen in den südlichen Euroländern. Ob aus den Augen auch aus dem Sinn heißt, muss abgewartet werden. Insbesondere, wenn der Konjunkturmotor in Fernost weiter stottert und die Nachfrageschwäche die deutsche Wirtschaft trifft, könnte es ungemütlich werden. Bis auf weiteres läuft es in Europa allerding erfreulich gut. Auch um den Ukraine-Konflikt mit Russland ist es ruhig geworden. Der beigelegte Atomstreit mit dem Iran bringt zusätzlich Entspannung in den Ölmarkt. Von dieser Seite aus ist die Ampel also doppelt grün. Angebotsseitig sind Hürden weggefallen, die Nachfrage entwickelt sich äußerst moderat und deutsche, österreichische und schweizer Verbraucher dürften genug Geld in der Tasche haben, um zu konsumieren.

Faktor Naher Osten: Im Osten nichts Neues! Von der einst stolzen Demokratiebewegung des Arabischen Frühlings 2011 ist immer weniger übrig. Entstandenes Machtvakuum wurde häufig durch alte Strukturen oder neuen Terror gefüllt. Von Nordafrika bis Syrien und hinein in den Irak gibt es wenig ölpreisrelevante Neuigkeiten. Die Lage bleibt – nicht nur durch den IS und seine Attentäter, die es zwischenzeitlich bis nach Europa geschafft haben – unübersichtlich und unsicher. Was sich geändert hat, ist allerdings die Wahrnehmung. Der Ölpreis zuckt längst nicht mehr bei jeder Meldung aus der Krisenregion. Interessant dürfte der Schlagabtausch zwischen den beiden OPEC-Mitgliedern Saudi-Arabien und Iran werden. Da keiner zurückstecken will, sind Fördermengenkürzungen künftig wohl noch schwieriger durchzusetzen.

Faktor Wetter: Die Ölversorgung ist komfortabel und in Bezug auf den globalen Markt spielt die Wetterentwicklung im laufenden Jahr eine untergeordnete Rolle. Weder Kältewellen noch mögliche Hurrikanschäden in den USA dürften signifikante Preisbewegungen verursachen.

Faktor Euro / Franken: Die europäischen Währungen mussten im vergangenen Jahr ordentlich Federn lassen und sind gegenüber dem US-Dollar weiter abgerutscht. Nach der eingeleiteten Zinswende in den USA lässt die gegenläufige Geldpolitik auch für 2016 nichts Gutes erahnen. Eine Verteidigung des aktuellen Wechselkursverhältnisses von 1,09 Dollar für einen Euro und 1,00 Dollar für einen Franken wäre bereits ein Erfolg. Angesichts der extrem niedrigen Ölpreise sind Verbraucher in diesem Jahr allerdings weit weniger auf Schützenhilfe vom Währungsmarkt angewiesen. Auch eine weitere Verschlechterung des Wechselkursverhältnisses dürfte der Schnäppchenstimmung am Heizölmarkt wohl kaum Abbruch tun. Mit etwas Glück geht es aber auch aufwärts mit Euro und Franken -unverhofft kommt oft!

Zwischenfazit: 2016 ist mit extrem günstigen Öl- und Heizölpreisen gestartet. Mitte Januar wurde ein 12-Jahres-Tief erreicht! Kunden, die Platz im Tank haben, machen also definitiv nichts falsch, wenn sie jetzt kaufen und mit maximalen Vorräten in den Sommer gehen. Aus Sicht des Weltmarkts ist ein weiterer Verfall der Ölpreise aufgrund der überraschend starken Dynamik zwar noch möglich, spätestens in Richtung Frühjahr sollte aber mit einer (vorrübergehenden) Preiserholung gerechnet werden. Von den üblichen Marktschwankungen abgesehen dürfte 2016 einen der günstigsten Durchschnittspreise für Heizöl zu Tage fördern, den es in den letzten 10 Jahren gegeben hat. Heizöl als Brennstoff ist wieder in!

Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 29,00 $, Gasöl ca. 270 $ / t
Heizölpreise in Deutschland und Österreich ca. + 0,50 € / 100 l gegenüber gestern Vormittag. Schweiz: + 0,50 CHF / 100 l.
Euro/US Dollar: ca. 1,088 (Euro nahezu unveränd.)
Franken/US Dollar: ca. 1,006 (Franken nahezu unveränd.)
4-Wochen-Prognose Rohöl: Ölpreis leicht steigend
4-Wochen-Prognose Heizöl: Heizölpreise leicht steigend
alle Angaben ohne Gewähr

HeizOel24-Tipp: Morgen lesen Sie an dieser Stelle, welche inländischen Preisfaktoren die Heizölpreise im Jahr 2016 bewegen werden und wie die entsprechenden Trends und Prognosen aussehen. www.heizoel24.de - 19.01.2016

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Oliver Klapschus
Dipl. Betriebsw. (FH)