Nach EZB: Aktien haussieren, Ölpreis bleibt ruhig
vom 07.09.2012 10:40:58
Die Ölpreisentwicklung koppelt sich heute deutlich vom haussierenden Aktienmarkt ab. Während die Aktienindizes infolge der EZB-Entscheidung zum unbegrenzten Staatsanleihekauf ein Kursfeuerwerk erleben, dominieren am Ölmarkt Gewinnmitnahmen. Dieses deutliche Auseinanderklaffen der Kursbewegungen ist ungewohnt, denn in den letzten Jahren entwickelten sich die verschiedenen Anlageklassen meist im Gleichschritt. Neben Aktien wurden reichlich Rohstoffe als Wertanlage in die Depots der Anleger aufgenommen.
Sehen wir aktuell das Ende der Krise und eine Normalisierung der Handelsaktivitäten an den stark politisch getriebenen Finanzmärkten? Dem Ölpreis würde es guttun. Wenn das schwarze Gold nicht länger als Krisenabsicherung herhalten muss, könnte Öl billiger werden. Eine stärkere Fokussierung auf Angebot und Nachfrage abseits der Finanzwelt könnte neue Perspektiven auch für preisgeplagte Heizölkunden und Autofahrer schaffen.
An dieser Stelle schwingt sehr viel Konjunktiv mit. Bisher sah die Hoffnung so aus, dass Öl und Aktien durch die anhaltende Unsicherheit bzw. im Falle einer neuen Weltwirtschaftskrise im Gleichschritt fallen. Nun kann darauf spekuliert werden, dass der EZB im Kampf um den Euro ein Befreiungsschlag gelungen ist. Die Gemeinschaftswährung dankt es heute Morgen mit dem höchsten Kurs seit Mitte Mai. Ein Euro kostet 1,267 US-Dollar. Durch den Doppelmechanismus aus festerem Euro, der die Importpreise entlastet und sinkender Ölpreisfokussierung der Finanzmärkte entstehen neue Perspektiven.
Die Rückkehr zum alten Denkschema lauert allerdings schon nächste Woche! Am Mittwoch, den 12. September entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Vereinbarkeit des Eurorettungsschirms mit dem deutschen Grundgesetz. Sollte Karlsruhe den Gesetzentwurf kippen oder weiter verzögern, droht neues Ungemach. Auch der Troika-Entscheid zu Griechenland Ende September/Anfang Oktober steht noch aus und wie das aktuelle Kursfeuerwerk am Aktienmarkt mit einer von der OECD prognostizierten Rezession in Deutschland zusammenpasst muss sich ebenfalls zeigen. Der heiße Börsenherbst hat also gerade erst begonnen und die Volatilität wird weiter hoch bleiben.
An Meldungen mangelt es in diesen Tagen wahrlich nicht. Spezifische Ölmarktthemen wie der Irankonflikt, die Hurrikanaktivität am Golf von Mexiko oder die Brent Crude Verladeprogramme in der Nordsee geraten beinahe schon in den Hintergrund. So konnten auch die gestrigen US-Bestandszahlen des DOE die Ölpreise nur kurzzeitig bewegen. Insgesamt standen die Zahlen noch deutlich unter dem Eindruck der Bohrinselevakuierungen infolge von Hurrikan „Isaac“. Noch immer ist knapp die Hälfte der Förderplattformen unbesetzt, was die hohen Abbauten bei den Rohöllagerbeständen erklärt. Im Einzelnen fiel die wöchentliche Erhebung des Departments of Energy (DOE) wie folgt aus:
- Rohöl: sehr hoher Abbau (- 7,4 Mio Barrel)
- Destillate (Heizöl, Diesel): leichter Aufbau (+ 1,0 Mio Barrel)
- Benzin: leichter Abbau (- 2,3 Mio Barrel)
Heizölkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz profitieren heute wie eingangs bemerkt von Wechselkursgewinnen und leicht rückläufigen Ölpreisen am Weltmarkt. In den beiden Euroländern ist mit einem leichten Rückgang der Heizölpreise von rund 0,3 Cent je Liter zu rechnen. Heizöl in der Schweiz wird entsprechen um ca. 0,3 Rappen billiger. Der Ausblick gestaltete sich gemischt. Klare Prognosen sind weiterhin nicht möglich.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 113,80 $, Gasöl ca. 985 $ / t
Aktuelle Heizölpreise in Deutschland und Österreich ca. - 0,30 € / 100 l gegenüber gestern.
Euro/US Dollar: ca. 1,267 (fester)
Franken/US Dollar: ca. 1,057 (fester)
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4-Wochen-Prognose Heizöl: Heizölpreise mit Potential zu beiden Seiten
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