Mittelfristig billiger? Ölpreis weiter in Backwardation
vom 12.07.2012 11:32:25
Die Heizölpreise bewegen sich nicht vom Fleck. Der schwache Euro und geringe Warenbestände im Inland verhindern Abschläge. Die anhaltende Unsicherheit in Bezug auf die Weltkonjunktur und die Euro-Rettung verhindert Aufschläge beim Ölpreis. Gestern erwies sich die Marke von 100 Dollar je Barrel Brent Crude Nordseeöl bei volatilem Handel erneut als virtuelle Obergrenze für den Ölpreis. Bei 100,65 Dollar drehten die Kurse nach unten ab und befinden sich heute zum Handelsstart in London bei 99,80 Dollar je Barrel wieder.
Die gestrigen US-Bestandsdaten des Departments of Energy (DOE) lieferten widersprüchliche Impulse und standen zudem im Kontrast zu den API-Daten vom Vortag, die eine deutlich andere Verteilung auf die einzelnen Produktgruppen sahen. Zumindest in Summe waren die Zahlen der beiden Institute mit + 1,1 bzw. + 1,2 Mio. Barrel zur dann jedoch annähernd gleich. Im Einzelnen fiel die Erhebung des DOE wie folgt aus:
- Rohöl: hoher Abbau (- 4,7 Mio Barrel)
- Destillate (Heizöl, Diesel): deutlicher Aufbau (+ 3,1 Mio Barrel)
- Benzin: deutlicherAufbau (+ 2,8 Mio Barrel)
Entsprechend uneinheitlich zeigte sich der Ölhandel nach den Daten. Während es mit den Rohölnotierungen deutlich nach oben ging, zeigten sich die Produkte Gasöl (Heizöl/Diesel) und Benzin weicher.
Der für heute Mittag anstehende Kontraktwechsel beim Gasöl signalisiert eher rückläufige Kurse. Der auslaufende Juli-Kontrakt passt sich im Preis dem niedriger notierenden August-Kontrakt, der ab 12:00 Uhr die Führungsrolle übernimmt, an. Aktuell werden 865 Dollar je Tonne für den Juli-Kontrakt und 864 Dollar für Gasöl zur Lieferung im August bezahlt. Gestern lag die Differenz noch bei sechs bis acht Dollar. Blickt man weiter in die Zukunft, so ist auffällig, dass sich sowohl das für den Heizölpreis ausschlaggebende Gasöl als auch Rohöl weiter in einer Backwardation-Situation befindet. D.h. Kontrakte, deren Ablaufdatum sich weiter in der Zukunft liegt, sind billiger als Kontrakte mit baldiger Fälligkeit. Die Börse sieht die Zukunft also entspannt. Backwardation ist mit der Erwartung eines steigenden Angebots bzw. rückläufiger Nachfrage verbunden. Zumindest ist die Neigung nach weit in die Zukunft reichenden Absicherungsgeschäften gering. Das Öl ist wird aktuell knapper und wertvoller gesehen als in einigen Monaten oder Jahren.
Auch das Gros der Heizölkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz hält es aktuell mit der langfristigen Börsentendenz zu billigerem Öl. Die Zahl der Neubestellungen bewegt sich auf äußerst geringem Niveau und es herrschst allgemeines Abwarten auf günstigere Zeiten. Ob es diese geben wird bleibt abzuwarten. Ein Aspekt der Futures bei der Preisentwicklung ist die stetige Bewegung der Preise und Erwartungen wo heute noch Backwardation regiert kann morgen schon Contango vorherrschen. D.h. der Markt rechnet mit steigenden Preisen und Öl zur Lieferung in der Zukunft ist teurer als für den sofortigen Bedarf.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 99,40 $, Gasöl ca. 862 $ / t
Aktuelle Heizölpreise in Deutschland und Österreich ca. +/- 0,20 € / 100 l gegenüber gestern.
Euro/US Dollar: ca. 1,222 (leichter)
Franken/US Dollar: ca. 1,018 (leichter)
4-Wochen-Prognose Rohöl: Brent Ölpreis scheint bei 100 $ gedeckelt
4-Wochen-Prognose Heizöl: Heizölpreise mit Potential in beide Richtungen
alle Angaben ohne Gewähr
HeizOel24-Tipp: Die Börsen liefern aktuell keine eindeutigen Signale, ob Heizöl in Kürze wieder billiger oder teurer wird. Das größte Abwärtspotential liegt nach wie vor in einem Konjunkturtief. Ein großes Risiko für steigende Heizölpreise steckt im Euro. Die zunehmende Abwertung der Gemeinschaftswährung schraubt die Importpreise in die Höhe. www.heizoel24.de - 12.07.2012